von Altes Gymnasium
Bonjour Hambourg
Fest steht nach unserer visite de Hambourg: Frankreich hat in der Hansestadt überall seine Spuren hinterlassen. Auf unserer Tour quer durch die Hamburger Innenstadt konnten wir bei bestem Wetter hautnah erleben, wie viel savoir-vivre, aber auch welche wechselvollen Verflechtungen zwischen Deutschland und Frankreich in Hamburg stecken. All diese vielfältigen Bezüge erweckte die Hamburger Gästeführerin Therese Wilms für uns zum Leben, indem sie uns gekonnt auf Deutsch und Französisch durch die verschiedenen Epochen der Geschichte leitete.
Direkt zu Beginn am Rathaus fiel unser Blick auf die Fassade, an der Karl der Große bzw. Charlemagne als Statue verewigt ist, weil er traditionell als Initiator der “Hammaburg” gilt. Ob er nun eher Deutscher oder Franzose war, ist bis heute ein historisches Rätsel – unbestritten gilt er jedoch als der „erste Europäer“ und bildete damit das perfekte Symbol für den Start unserer Tour.
Von dem Balkon des Rathauses sprach am 7. September 1962 der französische Staatspräsident Charles de Gaulle zu tausenden Hamburgern. Mit seinem berühmten Ausruf „Es lebe Hamburg, es lebe Deutschland und es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“ läutete er eine neue Ära in Europa ein. Außerdem erfuhren wir, dass Hamburg bereits seit 1958 eine enge Städtepartnerschaft mit Marseille pflegt.
Die Route führte anschließend an dem Gebäude der Patriotischen Gesellschaft von 1765 vorbei, deren gesellschaftliches Engagement stark von den französischen Denkern Rousseau und Voltaire geprägt wurde.
In der Petrikirche wurde danach die Geschichte der sogenannten „Hamburger Franzosenzeit“ (1806–1814) bildhaft greifbar. Während des Rundgangs gab es viel über diese prägende Epoche zu hören; Hamburg war ab 1811 offiziell als Hauptstadt des „Departements der Elbmündungen“ Teil des französischen Kaiserreichs – eine Zäsur, die für die Hamburger Bevölkerung mit schweren Entbehrungen verbunden war. Die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre gegen England ruinierte den Handel und führte zu Massenarmut. Vom damaligen französischen Hauptquartier, dem heutigen Palaishof, aus wurde Hamburg straff geführt. Weil Lebensmittel knapp wurden, vertrieben die Besatzer im Winter 1813/14 sogar über 30.000 Hamburger aus der Stadt.
Weiter ging es zur Kleinen Alster, die nach dem Großen Brand von 1842 von dem Architekten Alexis de Chateauneuf neu gestaltet wurde und Hamburg seitdem ein fast mediterranes Flair verleiht. Chateauneuf war Nachfahre französischer Hugenotten, die ab 1685 nach Hamburg kamen und das Kultur- und Wirtschaftsleben der Stadt nachhaltig prägten. Die Alsterarkaden sind nur ein beeindruckendes Beispiel seiner Architektur.
Der Stadtrundgang führte uns weiter Richtung “Kleiner Michel”. Die Kirche wurde während der Franzosenzeit von den Besatzern katholisch geweiht. Nach der totalen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie mit französischer Hilfe wiederaufgebaut und 1955 neu geweiht. Heute ist der Kleine Michel ein ganz besonderes mémorial für die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit.
Unsere Tour endete schließlich am Palaishof. Hier am Neuen Wall fiel uns besonders auf, wie lebendig das französische Flair in diesem Viertel bis heute nachwirkt – insbesondere durch die luxuriöse Haute Couture von großen Modehäusern wie “Chanel” direkt gegenüber vom Palaishof.
Es war eine wirklich spannende Tour durch Hamburg auf französischen Spuren!
Merci beaucoup, Mme Wilms, et à bientôt, Hambourg!
A. Pontoppidan und K. Matthiesen